Gestern war ich im Rahmen meiner Tour durch diverse Möbelläden mal an einem dort im Laden ansässigen Kaffeestand und wollte mir eine Pause, und dazu einen Cappuccino, gönnen. Zuerst erschrack ich, als ich die Espressozubereitung sah: Kaffeemehl in den Siebträger eingefüllt, Siebträger eingespannt und los ging es.
Kein tampen oder etwas in der Art, noch nicht mal der Versuch. Das schreckte mich ab und ich verschob die Pause, weiter im Programm. Nach einiger Zeit überkam mich doch wieder der Drang nach einer Pause und ich fasste mir ein Herz, denn schliesslich bstelle ich an noch vielen anderen Orten Kaffee und alle verwandten Getränke, nur sehe ich dort nichts von der Zubereitung. Und im Cappuccino wird es schon gehen, sagte ich mir. Also einfach mal bestellt, ich wollte wissen wie der so schmeckt mit dieser Zubereitungsform.
Das Ergebnis war ein fürs Auge ganz ordentlicher Cappuccino aus deutschen Landen. Geschmacklich war er aber recht fad, nicht viel Geschmack, eben ein ganz leichter Cappuccino wie meine Mutter ihn wohl gemocht hätte – ihr ist er nämlich schnell zu stark.

Nun wollte ich zu Hause das Ganze auch mal nachspielen um festzustellen, wie stark sich das Tampen auf die Espressoqualität auswirkt. Das habe ich heute durchgeführt und dies ist das zum Teil grauenhafte Ergebnis:

1. Versuch – 10g Kafeemehl in den Siebträger ohne alles:

Schon der Anblick des herauslaufenden „Espressos“ ist nicht das, was man erwartet aber genau das was ich da gestern gesehen habe – also habe ich es mit dem Versuch getroffen :-(
Der Kaffee läuft sehr schwungvoll aus dem Siebträger, der Espressostrahl erinnert an die Stromschnellen eines Flußes – Es ist kein kontinuierlicher Strahl sondern er fliesst mit ständig wechselnder Stärke und fluktuierend aus dem Siebträger. Dieses, ich nenne es mal so, hektische herausfliessen aus dem Siebträger anstatt eines kontinuierlichen und gleichbleibenden Strahls ist ein absolut sicheres Zeichen für Channeling.
Der Espresso fliesst also innerhalb weniger Sekunden durch, ob es überhaupt 5 Sekunden waren mag ich zu bezweifeln. Ich mochte es auch nicht mitstoppen … Das Ergebnis in der Tasse gleicht fast dem guten alten Filterkaffee. Es ist schwarz aber mehr auch nicht. Es ist keine Crema vorhanden.
Der erste Schluck erinnert auch an den Filterkaffee. Es ist sehr dünn, kein großes Aroma oder Volumen im Espresso, sehr fad und ohne Charakter. Dafür kommen die uneigenheiten der Bohne, die Säure und zum teil auch das Bittere gut hervor, weshalb der Espresso für meinen Geschmack eigentlich nahezu ungeniessbar ist. Denkt man sich diese beiden Seiten aber ein wenig heraus ist es ein klassischer Filterkaffee aus der 19,90 Euro Platik-Kaffeemaschine mit Warmhalteplatte, Kaffeepulver selbstverständlich im Laden vorgemahlen.

2. Versuch – 10g Kaffeemehl und leicht getampt (eigentlich zu wenig getampt):

Der Espresso fliesst auch bei dem Versuch nicht großartig ruhiger aus dem Siebträger, es ist auch jetzt noch deutliches Channeling zu erkennen. Crema ist nur für kurze Zeit minimal vorhanden.
Es ist aber geschmacklich schon ein deutlich sprübarer Unterschied vorhanden. Er schmeckt zwar immer noch nicht gut, aber im Gegentiel zum ersten Versuch ist deutlich mehr Aroma vorhanden, auch wenn der bittere Anteil noch überwiegt und es nicht unbedingt zu einem Genuss macht.

3. Versuch  10g Kaffeemehl und richtig getampt:

Nun kommt der Espresso so heraus, wie er soll. Kontunierlicher Espressostrom, kein Channeling, langsam aber sicher läuft er aus dem Siebträger. Crema ist wie erwartet vorhanden.
Geschmacklich kommt nun das Aroma voll zur Geltung. Er schmeckt voll und aromatisch, so wie ein Espresso schmecken soll!

Ich kann nur empfehlen, wer nicht auf schlechten Espresso steht, kann es beim lesen belassen und muss nicht selber probieren. Man muss nicht alles selber ausprobiert haben!
Lieber tampen, dann ist die Welt in Ordnung …     :-S

*Schüttel*