So oder so ähnlich hört es sich an, wenn ein Espressomaschinenbesitzer laut darüber nachdenkt, sich mit seiner Espressomaschine einen Kaffee zu machen. Geht man von der Seite der Zubereitungsverfahren an das Thema heran, dann stimmt dies – beide kaffeehaltigen Getränke werden grundverschieden hergestellt.
Espresso wird aus Espressobohnen hergestellt. Diese werden sehr fein gemahlen und das heisse Wasser wird mit 9-10 Bar Druck durch 7-8g komprimiertes Kaffeemehl gedrückt.
Kaffee mit wird Kaffeebohnen hergestellt. Diese werden nocht so fein gemahlen wie Espressobohnen für den Espresso und das heisse Wasser läuft ohne Anwendung von Überdruck durch das Kaffeepulver.
Wie man unschwer sehen kann, ist es laut der originären Herstellungsdefinition nicht möglich mit einer Espressomaschine einen Kaffee herzustellen.
Abstrahiert man Kaffee und Espresso von der Definition zur Herstellung und kommt es mehr auf Geschmack, Crema, Aroma und Intensität des Getränkes an, dann ist es sehr wohl möglich mit einer Espressomaschine einen anständigen Kaffee herzustellen.
Will man einen Geschmack, der in die Richtung Kaffee geht, dann nimmt man am Besten auxh Bohnenröstungen, die nicht speziell für Espresso sind. Espressoröstungen sind nämlich dunkler geröstet als Kaffeeröstungen. Deshalb gibt es dort schon einen geschmacklichen Unterschied und die Geschmacksintensität hinsichtlich des rauchigen und bohnigen Aromas ist eine andere. Gut gehen auch Bohnen der Sorte Cafe Creme.
Für einen Kaffee sollte man dann statt des Einersiebes unbedingt das Zweiersieb nehmen, ein Kaffee umfasst schliesslich auch ein erheblich größeres Volumen. Dies wird mit etwas gröber gemahlenen Kaffeemehl ziemlich voll gemacht. Danach erfolgt wie vom Espresso gewohnt das tampen, damit das Pulver nicht einfach lose im Sieb liegt. Somit wird die Extraktion gefördert, damit es auch anständig Geschmack gibt. Danach erfolgt alles wie beim Espresso sonst auch, nur die 25 sec. Regel sollte über Bord geworfen werden – andere Ausgangssituation, anderes Ergebnis, andere Regeln.
Jetzt macht man das „Brühen“ nach Augenmass und Gefühl. Manche Bohnen neigen bei zu starker Extraktion durch langes Durchdrücken des Wassers zu stärkerer Säure- oder Bitterstoffbildung als andere, also bei denen eher aufhören wenn das aus dem Siebträger austretende Wasser ins blonde geht, manche sind da eher unempfindlich und somit kann auch länger die Blondphase genutzt werden – auch hier muss man eben ein wenig mit der Bohne testen.
In meinem Fall mache ich mit der Oscar auch recht ansprechenden Kaffee, wenn ich von Caffee Fausto den Cafe Creme nehme. Dieser wird mit der Grinta knapp unter der Mahlstufe 2 gemahlen, ca. 15g Pulver kommen in das Zweiersieb, dann wird normal getampt, nicht zu seicht, aber auch nicht übermässig fest, das ganze dann nach Gefühl durchlaufen lassen und es gibt einen gut trinkbaren Kaffee. Es sei allerdings dazu gesagt, dass dieser Kaffee stärker ist, als man ihn aus einem normalen Vollautomaten auf der Arbeit oder bei Bekannten trinkt! Insgesamt finde ich den Espressomaschinenkaffee intensiver und stärker – das stört aber einen Espressotrinker eher wenig ![]()
Man sollte nur nie mit dem Einersieb experimentieren, das schmeckt wie mit dem Hammer auf den Kopf!
Wer aber regelmässig einen gut gebrühten Kaffee trinkt, der sollte neben einer Espressomaschine ruhig eine Pressstempelkanne oder eine normale Kaffeekanne mit einem Porzellanfilteraufsatz im Schrank stehen haben, damit schmeckt der Kaffee dann doch noch mehr nach Kaffee … es sind bei der Methode mit der Espressomaschine eben doch etwas andere Geschmackserbegnisse zu erwarten.